Züchterportrait: Karl Biedermann

Karl Biedermann, geboren 5.5.1933, CH 3705 Faulensee

Das war der Anfang

Meine ersten Vögel bekam ich geschenkt von meiner Schwester, es waren 1 Paar Kanarienvögel. Diese schritten dann im ersten Jahr schon zur Brut und ich war natürlich sehr stolz auf diesen Zuchterfolg. Dass ich dann vom "Vögelervirus" befallen wurde, zeigte sich in meinem ganzen Leben. Ausser während 7 Jahren meiner beruflichen Ausbildung und den anschliessenden Wanderjahren, waren immer Vögel in meiner Pflege.

Welche Arten waren in all den Jahren in meinen Volieren


Nachdem ich mit den Kanarien, Wellensittichen und Zebrafinken meine ersten Zuchtversuche mit Erfolg gemacht hatte, wagte ich mich nun an verschiedene Agaporniden. Nachdem ich durch einen befreundeten Tierfänger, der mir zu Importvögeln verhalf und ich damals Fischeri, Roseicolli, Personata u.blaue Personata importieren konnte, versuchte ich mich mit der Agapornidenzucht. Damit hatte ich sehr grossen Erfolg, war ich doch in der Schweiz der einzige Züchter, der blaue Agaporniden auf die Stange brachte. Der Schweizer Meistertitel mit blauen Agaporniden krönte meine Zuchterfolge. Wie es ist in der Vogelzucht, wenn ein gewisses Hoch erreicht ist, muss man dann wieder etwas anderes versuchen , dann gibt es wieder eine gewisse Spannung in der Zuchtzeit. Die Agaporniden wurden dann verkauft und nun waren die Exoten an der Reihe. Ich versuchte mein Glück mit : Spitzschwänzen, Schmetter-lingsfinken, Tigerfinken, Binsen, Gulds (damals noch ein heisser Lauf), später Sonnenastrilde, Gemalte Astrilde, Schönbürzel, Lauchgrüne.- Dreifarbige und Rotköpfige Papageiamadinen, später wurde zu ver-schiedenen Schilffinken wie Braunbrust- Schwarzbrust- Weissbrust- und Zwergschilffinken gewechselt. Alle Vögel waren einige Jahre in meinen Volieren und ich hatte mit allen Vögeln auch Zuchterfolge.

Welche Vögel züchte ich heute


Nun habe ich mich für die Einheimischen wie Gimpel, Distelfinken und Buchfinken sowie diversen Zeisige entschieden. Magellan, Kapuzen, Gelbbauch, Mexiko psaltria, Columbia, Schwarz und Trauerzeisige, sowie Alariogirlitze, Gulds und Graupapageien bevölkern seit 15 Jahren und mehr meine Volieren. Mit diesen Vögeln werde ich nun vermutlich meine Züchterkariere beenden.

Die Unterbringung der Vögel


Ich habe zwei Vogelhäuser, wovon eines mit zwei Stock-werken.
Ein Gartenvogelhaus mit 5 Aussenvolieren 2x2x1 m und mit Innenflügen von 1,5 x 2 x 1 m. Im Innenraum sind weitere 10 Zuchtboxen.
3 freistehende Aussenvolieren mit Windschutz wovon eine 3 x 3 x 1,8 m und zwei 2 x 1,5 x 1,8 m. LxBxH.
Das zweite Vogelhaus im Parterre mit vier Aussenvolieren 1,5 x 1,5 x 2 m, mit Innenvolieren 2 x 1 x 2 m LxBxH. Zwei Papageienvolieren 2 x 2 x 1 m und 6 Zuchtboxen 0,9 x 0,6 x 0,5 m. Im Obergeschoss sind vier grosse Flugvolieren 1,5 x 1,5 x 2 m, 12 grosse und 12 kleinere Zuchtkäfige. Alle Innenräume sind mit Zentralheizung versehen und können unabhängig voneinander beheizt werden.
Alle Aussenvolieren sind abgedeckt, damit die Wildvögel durch ihren Kot nicht Krankheiten einschleppen können. Wichtig ist, dass es in den Aussenvolieren trocken bleibt, damit die Gefahr einer Kokzidieninfektionen auch ver-mindert wird.
Alle Zuchtkäfige und alle Innenvolieren sind beleuchtet, die Lichtanlagen werden automatisch gesteuert. Damit optimale Lichtverhältnisse geschaffen werden konnten, wurden in beiden Vogelhäusern nachträglich auch Dachfenster eingebaut.
Ich bin sehr darauf bedacht, dass die Vögel, wenn sie nicht gerade zur Zucht eingesetzt sind, viel Flugraum haben. Die Jungvögel werden dann in die Flugvolieren gesetzt, dadurch werden sie auch sehr kräftig und fluggewandt.
Trauerzeisige, Schwarzzeisige, Magellanzeisige sowie alle einheimischen Vögel, werden nur in Aussenvolieren gezüchtet. Alle übrigen in verschieden grossen Zucht-boxen.
Alle Aussenvolieren sind mit Hollunder- Haselnussstauden und Geissblat sowie mit wilden Reben bepflanzt. In den Innenvolieren werden Fichtenäste angebracht.
Als Nisthilfen gebe ich verschiedene kleine Kanariennester mit Kokoseinlage. Nistmaterial: verschiedene Naturfasern, Kokosfasern, getrocknete Gräser, Moose und Flechten.

Futterversorgung und Wasser

Meine Vögel erhalten die verschiedenen Futtermischungen von der Firma Blattner in Ermengerst. Hier ist zuzufügen, dass das Futter dieser Firma eher etwas teuer ist, aber das Futter ist sehr gut gemischt und von vorzüglicher Qualität.
Selbstverständlich werden verschiedene Futterpflanzen und Sämereien, die gerade aktuell zu finden sind gereicht. Dieses sind Löwenzahn, verschiedene Wegericharten, Knöterich, verschiedene wilde Hirsearten, Brennessel-samen, Gänsedistel, Beifuss, Nachtkerze, Rainfarn und vieles mehr. Es ist aber immer darauf zu achten, dass die Sämereien im Naturland zu ernten sind. Auf Spritzmittel-einsätze in der Nähe von Kulturen muss besonders ge-achtet werden, sonst kann es böse Überraschungen geben.
Als Grünfutter reiche ich Löwenzahnblätter, Vogelmiere und Beinwell. Im Winter Chicorè und Karotten, ver-schiedene Sämereien sind bei mir immer in der Tiefkühl-truhe und können auch im Winter halbreif verfüttert werden, was bei der Zucht sehr wichtig ist.
Als Aufzuchtfutter verwende ich Spinus, Waldvogelaufzucht und Quicko, vermische dieses mit gedörrten Brennesseln, Löwenzahn und Beinwell. Diesem wird ein wenig Mineral-stoff und Vitamine sowie wenig Traubenzucker beige-mischt. Keimfutter von Blattner, speziell für Zeisige darf natürlich auch nicht fehlen.
Dem Wasser ist speziell grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Dem Leitungswasser ist vielmals sehr viel Chlor beigemischt, was sich bei den Vögeln sehr gesundheits-schädigend auswirkt. In solchen Fällen ist ein Mineral-wasser ohne Kohlensäure zu empfehlen.

Temperaturen in den Zuchträumen


Da ich drei verschiedene Zuchträume habe, kann ich je nach Vogelart die Zuchträume beheizen.
Die Trauer.- und die Schwarzzeisige werden ohne zu heizen überwintert. Diese können den ganzen Winter in die Freivolieren und schlafen zum Teil sogar in den Aussen-volieren bei minus 15° C Ebenso die einheimischen Gimpel, Buchfinken und Distelfinken. Im letzten Jahr haben die Schwarzzeisige im Januar in einer Aussenvoliere die erste Brut aufgezogen und die zweite dann im März auch bei kalten Temperaturen.
Die Magellanzeisige, die Alariogirlitze sowie die Grau-papageien werden bei 10-12 ° C durch den Winter ge-bracht.
Alle anderen Zeisige werden im Herbst einige Zeit bei 15 ° gehalten. Auf die Zuchtzeit hin wird dann die Temperatur langsam gesteigert und beträgt dann um die 20 ° C.
Die Lichtverhältnisse werden im Herbst den natürlichen Tagverhältnissen entsprechend abgesenkt. Ab November wird dann der Tag in den Zuchträumen mit Kunstlicht wieder schrittweise verlängert, so dass in der Zuchtzeit wieder 14 Stunden hell ist. Die Ein und Ausschaltung des Lichtes erfolgt mit 30 Minuten auf.- oder abdimmen.

Partnerwahl in der Zucht

Ich versuche wenn es möglich ist, dass sich die Zuchtpaare selber finden können. Damit erhalte ich die besten Zuchtpaare, die dann normalerweise die Jungvögel auch gut füttern und aufziehen. Leider ist es nicht immer möglich, genügend Vögel zur Verfügung zu haben. Dass die Vögel dann auch blutfremd eingesetzt werden können, bedingt es manchmal auch eine Zwangsverpaarung. Der Zuchterfolg ist dann gelegentlich eben nicht so gut. Ich achte sehr darauf, dass meine Zuchtpaare blutfremd eingesetzt werden.

Handel mit Wildfängen

Um unseren Zuchtstämmen von Zeit zu Zeit wieder frisches Blut zuzuführen, sind wir auf Importvögel angewiesen. Bin aber der Meinung, dass Importvögel nur an versierte Züchter abgegeben werden sollten. Importvögel einzugewöhnen ist eben nicht für Anfänger, es erfordert grosse Erfahrung.
Ich bin manchmal sehr erstaunt, dass Hunderte von Vögeln bei Importeuren sitzen und dann an den erstbesten Käufer abgebeben werden, nur um das grosse Geld zu machen. Es wird überhaupt nicht danach gefragt, ob sich der neue Besitzer in der entsprechenden Vogelhaltung auch aus-kennt.
Es geht hier nicht in erster Linie um den finanziellen Verlust, der durch die Unkenntnis verschiedener Halter entsteht, es geht um die Vögel, die nicht mehr lebendig gemacht werden können.
Damit der Fortbestand in freier Wildbahn nicht gefährdet wird, sollten möglichst wenige eingefangen werden. Dem Transport und der Vermarktung sollte viel mehr Aufmerk-samkeit geschenkt werden.

Zeitinvestition

Ich investiere sehr viel Zeit für meine Vogelzucht. Es geht ja nicht nur darum, Vögel zu halten und möglichst viele zu züchten. Die Beobachtung und das Verhalten der Ver-schiedenen Sorten ist äusserst interessant, besonders bei der Zucht. Ich nehme mir sehr viel Zeit, um die Vögel zu beobachten.
Aufwendig ist aber auch die Beschaffung von Wild-sämereien im Sommer. Um dann im Herbst auch eine volle Kühltruhe zu haben, werden auch viele Stunden investiert. Die Arbeit mit den Vögeln macht mir aber sehr viel Spass. Die Zuchterfolge entschädigen mich dann für den grossen Aufwand und ich bin dann sehr stolz, auch heikle Vögel auf die Stange gebracht zu haben.
Ferienreisen habe ich in den letzten Jahren vergessen, aber mein schönes Hobby entschädigt mich voll und ganz dafür.
Die vielen Züchterkontakte im In.- und Ausland, die ich in all den Jahren aufbauen konnte, bringen mir sehr viel. Heute verkehre ich via Internet mit Züchterkollegen in Europa, Mexiko, Südamerika und Australien. Sehr viele Freunde habe ich durch das schöne Hobby kennen gelernt und von ihnen auch viele gute Typs erhalten.

Ich hoffe, mein Hobby noch einige Zeit betreiben zu können um dadurch einen Beitrag zur Arterhaltung verschiedener Vögel beitragen zu können.